Pflanzendichte

Ergebnis und Kritik zu den Vegetationsgutachten 2000 bis 2012

 

Die Rohdaten der Erhebungen wurden uns bis zum Jahr 2009 erst nach langem Zögern per e-Mail zugeschickt. Die in Rechnung gestellten Gebühren beliefen sich für die Daten von 2006 und 2009 pro Hegering und Jahr auf 30.- €, zusammen also auf 480.- € für beide Jahre. Das waren die teuersten e-Mails, die wir je erhielten. Seit 2012 kann man die Daten nach dem Umwelt-Informationsgesetz kostenlos erhalten. Wiederum wird auch im Jahr 2012 in der Standardauswertung der Verbiss lediglich in Prozentwerten bezogen auf die Probekreise angegeben. Eine Umrechnung der Prozentpunkte auf die durchschnittliche Zahl von verbissenen und im Leittrieb unverbissenen Pflanzen je Hektar der Aufnahmeflächen unterbleibt wie schon seit 1986!

Die von uns eingeforderte Einberechnung aller Rohdaten der Erhebungen wird seit dem Gutachten von 2012 nur bedingt umgesetzt. So sind aus dem Gutachten die Radien der Probekreise nicht ersichtlich. Sie sind aber unverzichtbar, wenn Stellung bezogen werden soll zur Vegetationsdichte und zur überlebensfähig aufkommenden Vegetation.

Es macht keinen Sinn, Prozentzahlen nur mit Prozentzahlen zu vergleichen und daraus eine Trendangabe zu entwickeln. Erst bei Umrechnung auf eine einheitliche Bezugsgröße können Entwicklungen eingeschätzt werden.

Das wäre etwa so, wie wenn Sie von Ihrem Tagesgeldkonto immer nur die Zinsprozente erführen und nie mitgeteilt bekämen, wie viel auf Ihrem Konto liegt. Wie will man so beurteilen, ob es zum Leben reicht?

So sind Empfehlungen zu den Abschussplänen, die allein auf Verbissprozenten basieren ohne Hochrechnung auf einheitliche Bezugsgrößen völlig ungeeignet und abzulehnen.

Nach dem Umweltinformationsgesetz ist es möglich die Rohdaten der Aufnahmen zu beschaffen. Dies haben wir für den Landkreis Freising für die Erhebungen von 2000, 2003, 2006, 2009 und 2012 getan. Aus den erhaltenen Daten war es möglich die Vegetationsdichte der einzelnen Probestände für die vier Aufnahmejahre zu errechnen und zu vergleichen. Schließlich wurde über alle Probestände das arithmetische Mittel der durchschnittlichen Pflanzendichte pro Hektar für jeden Hegering im gesamten Landkreis errechnet.

Diese Vorgehensweise wird von Entscheidungsträgern des Landwirtschaftsministeriums und Gutachtern als unzulässig dargestellt. Es erhebt sich allerdings schon die Frage, wie es sein kann, dass eine Methode, die seit 1986 von den Gutachtern praktiziert wurde, jetzt bei der Rückrechnung der Daten nicht zulässig sein soll, nur weil die Ergebnisse nicht das ideologisch gewünschte Resultat zeigen.

Im Folgenden wird die Tendenz der Pflanzendichten der aufgenommenen Verjüngungsflächen in den einzelnen Hegeringen für die Jahre 2000, 2003, 2006, 2009 und 2012 graphisch dargestellt. Zu betonen ist, dass für die Berechnungen nur die vom Forstamt bzw. AELF zur Verfügung gestellten Daten verwendet wurden. Auf eine Bereinigung der Daten bei weniger als 50 Pflanzen einer Art pro Hegering, wie in der Arbeitsanleitung zur Erfassung der Rohdaten vorgeschrieben, wurde verzichtet.

Es wurde von uns jeweils das arithmetische Mittel der Gesamtzahl der Jungpflanzen pro Hektar ermittelt. Im zweiten Gang wurden nach der selben Methode die verfegten und im Leittrieb bebissenen Bäumchen/ha berechnet. Die Differenz ergab die hochgerechnete absolute Anzahl der Jungpflanzen ohne Leittriebverbiss und ohne Fegeschäden.

Wir halten diese Berechnungsart für die objektivste, da schließlich nur die mit Leittriebverbiss geschädigten Pflanzen womöglich keine Überlebenschance haben. Seitentriebverbiss ist in aller Regel bedeutungslos. Von staatlicher Seite wird jedoch bei der Berechnung der Vegetationsdichten nicht das arithmetische Mittel sondern der Medianwert favorisiert, während man die Verbissprozente wieder nach dem arithmetischen Mittelwert berechnet. Wie soll das zusammenpassen?

Minister Brunner versprach im Jahr 2010 öffentlich, man werde also künftig die Vegetationsdichten berechnen und es komme nicht darauf an, was verbissen ist, sondern auf das, was durchkommt. Diese Ankündigung wurde erwartungsgemäß nicht in zielführender Weise umgesetzt. Vielmehr schaffte es die Ministerialbürokratie das Ergebnis ad absurdum zu führen.

Die Vegetationsdichten werden nun zwar hochgerechnet, die Einteilung nach bebissen, unbebissen und Gesamtzahl geschieht aber sehr absichtsvoll. Um einen katastrophalen Verbisszustand vorzutäuschen wird eingeteilt in:

1. Gesamtzahl der Jungpflanzen pro Hektar hochgerechnet

2. Pflanzen pro Hektar ohne jegliche Beschädigung

3. Pflanzen pro Hektar mit Beschädigung jedweder Art (Leittriebverbiss, Seitentriebverbiss, Fegeschäden)

Auf diese Art und Weise der Berechnung erweckt man den Eindruck, es kämen wesentlich weniger Jungpflanzen durch als der Realität entspricht. Wichtig zu wissen ist, beim Seitentriebverbiss und Fegeschaden ist es für die Verbissaufnahme völlig egal, wann die Beschädigung entstanden ist. Der Leittriebverbiss muss aus der laufenden Vegetationsperiode stammen.

Wenn man nun die unterschiedlichen Berechnungsarten gegenüberstellt, wird man gleich erkennen, warum von staatlicher Seite die vorliegende Berechnungsart nach Medianwert und der oben genannten Einteilung vornahm.

In den nachfolgenden links dargestellten Diagrammen stehen die blauen Säulen für das arithmetische Mittel der durchschnittlichen Gesamtpflanzendichte/Hektar. Die roten Säulen bezeichnen die im Leittrieb unverbissenen und unverfegten Pflanzen und die elfenbeinfarbenen Säulen die im Leittrieb verbissenen und/oder verfegten Pflanzen der Verjüngungsflächen. Dargestellt ist eine Zeitreihe von 2000 bis 2012 für jeden Hegering.

Die rechts zu sehenden Diagramme werten nur das Jahr 2012 nach den unterschiedlichen Berechnungsarten aus. Die linke Säulengruppe dieser Diagramme steht für den arithmetischen Mittelwert der hochgerechneten Pflanzendichten aufgeteilt nach unverbissen (blaue Säulen), im Leittrieb unverbissen und unverfegt (rote Säulen) und im Leittrieb verbissen und verfegt (grüne Säulen).

Die mittlere Säulengruppe der rechten Diagramme zeigt die Berechnungsart des Staates ebenfalls nach dem arithmetischen Mittelwert. Die Aufteilung geschieht allerdings nach Gesamtzahl pro Hektar (blaue Säule), völlig unbeschädigte Pflanzen pro Hektar (rote Säule) und mit Beschädigung jedweder Art (grüne Säule). Das heißt also, hier werden Leittriebverbiss, Seitentriebverbiss und Fegeschäden zusammengefasst.

Die rechte Säulengruppe der rechten Diagramme steht für die staatliche Berechnung des Medianwerts mit der gleichen Einteilung wie bei der mittleren Säulengruppe. Wie man sehr deutlich erkennen kann, gelingt es auf diese Weise mit Leichtigkeit ein nicht vorhandenes Katastrophenszenario darzustellen, zumal in den Gutachten, wenn überhaupt erwähnt, nur Bezug auf den staatlich berechneten Medianwert Bezug genommen wird.

Offensichtlich sollen also nur solche Pflanzen als überlebensfähig betrachtet werden, die absolut keine Beschädigung aufweisen. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Man vergleiche nur mal die roten Säulen der linken und rechten Säulengruppe in den rechts zu sehenden Diagrammen. Auf diese Weise werden die überlebensfähigen Jungpflanzen willkürlich bis zu einem Minimalwert von bis zu einem Drittel herunter gerechnet!

Überrascht hat uns diese Vorgehensweise allerdings nicht, denn das Verbissgutachten dient schon lange nicht mehr der Beurteilung der Verjüngungsflächen Es wird eindeutig weiterhin als Herrschaftsinstrument zur Durchsetzung weit überhöhter Abschusspläne missbraucht. Dahinter steckt die Ideologie des ÖkoNomischen Jagdvereins, der häufig fast gleichlautende Statements mit den großen Naturschutzverbänden absetzt.

Bitte nehmen Sie sich die Zeit und studieren unten stehende Tabellen einmal durch. So wird klar ersichtlich, wie versucht wird, positive Sachverhalte schlecht zu rechnen.

1. Massenhausen:

Dichte HR 1 Dichte 2012

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte in den Jahren 2000 bis 2012 zwischen 28.294 und 50.169.

Der prozentuale Verbiss betrug 11% (2000), 6,9% (2003), 8,8% (2006), 10,3% (2009) und 13,4% im Jahr 2012. Die Verbissprozente alleine suggerieren  eine klare Verschlechterung der Situation. Die unverbissenen Pflanzen lagen jedoch gleichzeitig zwischen 22.799 und 45.754 je Hektar. Der Medianwert des Staates für die unverbissenen Pflanzen je Hektar wies für 2012 nur 13.798 anstatt 24.503 auf.

Trotzdem lautete die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003 Abschuss erhöhen! Für 2006 stufte man den Verbiss immer noch als zu hoch ein, verzichtete aber auf eine Erhöhung des Abschusses. Als Grund wurde die positive Entwicklung des Laubholzes genannt, die sich aber mit den Erhebungszahlen nicht so klar belegen lässt (siehe Seite Entmischung). 2009 stufte man den Verbiss als tragbar ein und verzichtete auf eine weitere Erhöhung der Abschusszahlen. Auch 2012 musste der Abschuss nicht weiter erhöht werden.

 

2. Hohenkammer:

Dichte HR 2Dichte 2012 HR 2

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte zwischen dem Jahr 2000 und 2012 zwischen 16.815 und 61.930.

Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 25% (2000) über 15,8% (2003) auf 5,1% (2006) ab, stieg auf 15,5 % im Jahr 2009 und betrug 7,4% im Jahr 2012. Die unverbissenen Pflanzen lagen zwischen 12.611 und 58.772 je Hektar. Der Medianwert der unverbissenen Pflanzen je Hektar des Staates für 2012 lag bei 10.019 anstatt 29.359.

2003: Abschuss erhöhen, 2006 beibehalten, 2009 erhöhen, 2012 beibehalten

 

3. Kirchdorf:

Dichte HR 3Dichte 2012 HR 3Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte zwischen dem Jahr 2000 und 2012 zwischen 19.539 und 36.312.

Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 25% (2000) vorübergehend auf 21% (2003), stieg wieder auf 23,5% (2006), betrug im Jahr 2009 25% und stieg 2012 weiter auf 26,2% an. Die unverbissenen Pflanzen lagen zwischen 14.654 und 27.779. Der Medianwert des Staates für die unverbissenen Pflanzen im Jahr 2012 betrug 7.888 statt 15.829 Pflanzen je Hektar.

2000 Abschuss erhöhen, 2003 erhöhen, 2006 erhöhen, 2009 beibehalten, 2012 erhöhen

In diesem Hegering wird unter der Regie des ÖJV Eigenbewirtschaftung betrieben. Entsprechend hoch ist der Jagddruck, was offensichtlich zur Verschlechterung der Gesamtsituation geführt hat. Und was lernt man daraus? Abschuss allein kann waldbauliche Maßnahmen nicht ersetzen.

 

4. Attenkirchen:

Dichte HR 4Dichte 2012 HR 4

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte zwischen dem Jahr 2000 und 2012 zwischen 16.836 und 31.766.

Der prozentuale Verbiss stieg von 25% (2000) über 25,4% (2003) auf 26,8% (2006), betrug im Jahr 2009 21,8% und lag 2012 bei 28,7%. Die unverbissenen Pflanzen bewegten sich zwischen 12.122 und 23.253 je Hektar. Der Medianwert des Staates für die unverbissenen Pflanzen im Jahr 2012 betrug 6.856 statt 15.782 Pflanzen je Hektar.

2000 Abschuss deutlich erhöhen, 2003 deutlich erhöhen, 2006 deutlich erhöhen, 2009 beibehalten, 2012 erhöhen

 

5. Mauern:

Dichte HR 5Dichte 2012 HR 5

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte in den Jahren 2000 bis 2012 zwischen 11.129 und 92.117.

Gleichzeitig betrug der prozentuale Verbiss 4% (2000), sank auf 2,6% (2003), stieg wieder auf 9,5% (2006) an, lag 2009 bei 7,9% und 2012 bei 3,3%. Die unverbissenen Pflanzen bewegten sich zwischen 10.684 und 83.366 je Hektar. Der Medianwert des Staates für die unverbissenen Pflanzen im Jahr 2012 betrug 23.656 statt 39.706 Pflanzen je Hektar.

Die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2000 beibehalten, 2003 beibehalten obwohl schon damals über 35.000 Pflanzen/ha unverbissen blieben, 2006 wird eine Erhöhung der Abschusszahlen gefordert! Nun sind über 83.000 Pflanzen/ha unverbissen! Erst 2009 wird keine weitere Erhöhung der Abschusszahlen gefordert! 2012 beibehalten.

 

6. Moosburg:

Dichte HR 6Dichte 2012 HR 6

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte im Zeitraum 2000 und 2012 zwischen 15.129 und 49.498.

Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 15% (2000) auf 13,3% (2003) ab und stieg 2006 auf 21,7% an. 2009 waren es dann 22% und 2012 schon 36,3%. Die unverbissenen Pflanzen nahmen von 35.829 auf 36.679 je Hektar zu und sind trotz des prozentual klar gestiegenen Verbisses weiter angewachsen auf 38.757 Bäume/ha. 2009 blieben 23.294 Pflanzen unverbissen und 2012 waren es 9.637 je Hektar. Nach staatlicher Berechnung mit dem Medianwert sollen die absolut ungeschädigten Pflanzen für 2012 sogar nur bei 3.390 je Hektar liegen anstatt bei 9.637.

Trotzdem lautet die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003: Abschuss erhöhen! Ganz erstaunlich entgegen der bisherigen Gepflogenheiten darf ab 2006 der Abschuss beibehalten werden, obwohl sich die Verbissprozente stark nach oben bewegt haben! 2009 und 2012 muss der Abschuss wieder gesteigert werden.

Ist der Grund für 2006 vielleicht darin zu suchen, dass in diesem Hegering der Staatsforst flächenmäßig erheblich beteiligt ist  und schon in der Vergangenheit das selbst gesteckte Ziel der überhöhten Abschusszahlen nicht mehr erreicht werden konnte? Auch bis 2009 konnte der Abschussplan nicht mehr erfüllt werden. Wie nun eine weitere Steigerung der Abschusszahlen erfüllt werden soll, ist rätselhaft.

Gerade dieser Hegering leidet unter sehr hohem Jagddruck. Und zu was hat es schließlich geführt? Die Verbissprozente nehmen weiter zu!

 

7. Isarauen:

Dichte HR 7Dichte 2012 HR 7

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte in den Jahren 2000 bis 2012 zwischen 71.661 und 34.335.

Gleichzeitig nahm der prozentuale Verbiss von 13% (2000) über 17,5% (2003) auf 18,2% (2006) zu, liegt 2009 bei 20,8% und 2012 bei 15,4%. Die unverbissenen Pflanzen bewegten sich zwischen 60.014 und 29.047 je Hektar. Alles Werte, die noch weit über der Pflanzendichte von Kunstverjüngungen liegen. Der staatliche Medianwert der unverbissenen Pflanzen je Hektar nennt aber nur 14.248 Stück anstatt 29.047!

Die Empfehlung von Seiten des Forstamts für 2003 Abschuss von Rehwild beibehalten, beim Rotwild Abschuss deutlich erhöhen!

Auch in diesem Hegering, in dem der Staatsforst flächenmäßig hoch beteiligt ist, lautet ab 2006 die erstaunliche Empfehlung: Abschuss beibehalten mit der Differenzierung in Problembereichen stärker zu jagen. Begründung siehe Hegering 6 Moosburg??? 2009 ist die Empfehlung gleichlautend wie 2003 Abschuss beibehalten und 2012 beibehalten.

 

8. Au/Halltertau:

Dichte HR 8Dichte 2012 HR 8

Die durchschnittliche Pflanzendichte/Hektar schwankte zwischen dem Jahr 2000 und 2012 zwischen 19.399 und 45.583.

Gleichzeitig sank der prozentuale Verbiss von 8% (2000) auf 5,4% ab, stieg auf 9,3% (2006), lag 2009 bei 9,8% und 2012 bei 5%. Die unverbissenen Pflanzen bewegten sich zwischen 17.847 und 43.304 je Hektar. Im Gegensatz dazu weist der Medianwert der unverbissenen Pflanzen für 2012 nur17.994 Pflanzen aus anstatt 43.304.

Trotzdem lautet die Empfehlung von Seiten des Forstamts über alle Jahre bis 2006: Abschuss erhöhen! Erst 2009 und 2012 sah man von einer weiteren Steigerung des Abschusses ab!

 

Zusammenfassung:

In fast allen Hegeringen ist seit dem Jahr 2000 bis 2006 eine größtenteils drastische Zunahme der Vegetationsdichten sowie der unverbissenen Pflanzen nachweisbar. Erst 2009 war eine Abnahme der Jungpflanzendichte zu verzeichnen. Wenn man bedenkt, dass für eine Kunstverjüngung bei Fichten oder Tannen nur ca. 3000 Pflanzen/Hektar und bei Buchen bzw. Laubholz ca. 7000 Pflanzen/Hektar notwendig sind, in den Hegeringen sich aber die durchschnittliche Pflanzendichte zwischen 25.000 und gut 92.000 je Hektar bewegt, so relativieren sich die prozentualen Verbisszahlen ganz erheblich.

Die vorgefundenen Vegetationsdichten lagen meist um ein Vielfaches über denen von Kunstverjüngungen.

Der Vergleich des prozentualen Verbisses ohne Berechnung der Vegetationsdichte je Hektar ist somit völlig ungeeignet, um eine Trendangabe des Verjüngungspotenzials und damit eine Abschussempfehlung geben zu können. Zusätzlich ist natürlich auf eine sinnvolle Zusammensetzung hinsichtlich der Baumarten zu achten. Allerdings ist zweifelsfrei beweisbar, dass das angestrebte Ziel mit der Erhöhung der Abschusszahlen alleine in den letzten 26 Jahren in keiner Weise erreicht werden konnte (siehe Seite Entmischung).

Genauer betrachtet ist nicht der prozentuale Verbiss zu hoch sondern ganz eindeutig die Vegetationsdichte bei hoher Tendenz. Mit Zielwertrechnungen ist bei einer Vegetationsdichte von 27.000 Bäumen je Hektar und einer angestrebten Pflanzendichte von 7.000/Hektar über Äserhöhe nach viermaligem Verbiss und 10 Jahren innerhalb der Äserhöhe ein Verbiss von 55% tragbar. Bei 71.600 Pflanzen/Hektar und gleichen Bedingungen ist ein Verbiss von 65% immer noch nicht zu hoch!!!!

Dennoch soll hier eindeutig festgestellt werden, dass die Jagd beim Aufbau stabiler Wälder natürlich eine Rolle spielt, aber eben nur EINEN Faktor neben vielen anderen darstellt. Wer Waldbau betreiben will, muss auch in erster Linie waldbaulich tätig werden.

Die Forderung nach einer Abschusserhöhung muss also in den meisten Fällen energisch zurückgewiesen werden.

© Dr. Holger von Stetten


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